Sphinx und Medusa

Wir thronen auf einem Berg der Unantastbarkeit
und jeder Mensch, der uns begegnet, wird nur als Reisender gesehen.
Er zieht vorbei, der Zwerg, unfassbar weit
von uns, von dem, was uns bewegt, und könnt' vorrübergehen
Doch wir, selbstherrlich und übermächtig arrogant,
weit weg von ehrlich, übernächtigt, ausgebrannt,
geben ihm ein Rätsel auf, unserem Gegenüber,
das ihn, den lächerlichen Anderen, nur selber wider-
spiegelt; das Rätsel, einfach und banal,
lässt uns des anderen Unvermögen spüren,
und zeigt, dass es uns besser geht,
als dem, der vor uns steht,
er scheint sich selbst nicht recht zu kennen,
kann sich nicht sehen,
sich nicht beim Namen nennen.

Wir kleinen Menschen sind verführerischer Wahnwitz der Natur,
Fassade nur,
denn wir sind wie kein anderes Ungeheuer schlau,
baun Hohlskulpturen, die in den Himmel ragen,
Maschinenmonster, die die Erde ebenen und nach Ressourcen graben,
wir tragen die Flügel eines Vogels,
umrunden die Erde, lassen uns von Bergen fallen,
Gut getarnt, in der Hand einen Spiegel,
fliegen wir bis ans Ende der Welt,
reisen zum Mond, zum Mars, zu Gott,
goldene Lichter im tiefschwarzen Allüberall.

Wir könnten einander vorbeiziehen lassen,
doch wir fressen uns auf und spucken uns aus,
Wir sind ein Krieg, den wir selbst entfachten,
sinnlose Schlachten,
die wir nie hätten führen sollen,
die wir zu früh vergessen wollen.
bis endlich einer kommt, der uns durchschaut,
der uns erkennt,
beim Namen nennt.

Dann stürzen wir. Schicksal besiegelt.
Wir fallen, flügellos
an Felswände prallend,
dem Himmel entgegen,
der sich in Wellen spiegelt,
und zerschellen
Wie ein kleines Plastik-Spielzeug
auf einer von den Göttern bespielten Welt.